Kulturerbe für alle/Patrimoine pour tous/Patrimonio per tutti

Z'sammkumma - die freien Orte des freien Treffens

von
Renate Albrecher
Renate Albrecher | vor 8 Monaten | in Ideenwettbewerb

Früher trafen sich die Menschen in den den Spinnstuben (siehe Projekt von Ph. Kuntze), den Milchhäusern (Projekt von M. Sterchi), den gemeinschaftlichen Kühlhäusern, am Brunnen, etc.. Der offizielle Grund war immer eine zielgerichtete Aktivität im Rahmen der hauswirtschaftlichen Aktivitäten, doch das wichtigste Nebenprodukt war der soziale Austausch. Diese sozialen Hotspots sind mittlerweile verschwunden, ihrer Funktion enthoben. 

Es wäre interessant, der Frage nachzugehen, WO heutzutage das menschliche Bedürfnis nach solch unplanbaren, offenen sozialen Kontakt gestillt wird.

Wo sind heute die Stätten, an denen man andere trifft, ohne dass das Zusammentreffen der offizielle Grund des Treffens ist. Also nicht im Rahmen z.B. eines Geburtstagsfestes, sondern bei zielgerichteten Tätigkeiten, die sozialen Kontakt ermöglichen.

Findet dies an halb-privaten, halb-öffentlichen oder öffentlichen Orten statt?

Die Antwort zeigt Ansatzpunkt zum Fördern dieser immateriellen Kultur des Zusammenkommens.

Bearbeitet am Mär 18, 2018 von Renate Albrecher

Philipp Kuntze vor 8 Monaten

Das ist ein guter Denkanstoss. Der soziale- und kulturelle Austausch fand oft in der Kombination mit dem Handwerk statt. Das eine fördert das andere. Leider sterben weltweit immer mehr Handwerke aus.

Hier der Link zum Projekt Spinnstube - Treffpunkt Handwerk, Musik und Kultur:
https://kulturerbefueralle.ch/post/510412?highlightPost=511326

Renate Albrecher vor 8 Monaten

Die Repair-Cafés sind ja im Steigen. Vielleicht kommt es wieder, das gemeinsame Werken ... ich hoffe es und wünsche Deinen Projekten viel Erfolg!!

Gérard Genoud vor 8 Monaten

Si on ne se rencontre plus dans les filatures ou les laiteries c’est bien parce que nous sommes passés prioritairement d’une société industrielle à une société de services. Je ne crois pas que les gens dans les filatures se rendaient pour échanger, mais pour travailler et naturellement l’homme est tributaire depuis sa naissance du lien social. Cette société de service, « grâce » notamment à la robotisation des tâches a permis la mise en place de temps de loisirs de plus en plus conséquents. D’ailleurs, il n’est pas inintéressant de voir à quel point les loisirs ont pris une ampleur sans précédent, les projets présentés dans Patrimoine Pour Tous le montre. Les lieux de rencontres aujourd’hui sont atomisés, on pourrait rajouter à votre liste, le marché, la déchetterie, le bus, le fitness, les diverses sociétés, les centres de loisirs, la chorale, la Fête des Vignerons…
Recenser pour comprendre ne me semble pas fondamental dans cette démarche du patrimoine immatériel, au contraire les gens qui se rencontrent trouvent un mode et des lieux de rencontre et cela ne leur pose pas problème. Ils n’ont pas besoin de spécialistes pour créer ces espaces.
D’ailleurs, le lien social ne me semble pas « planifiable » et la preuve est que nous avons développé de nombreux lieux de rencontres de pratiques sociales qui finalement sont fréquentés par une population relativement limitée.
Il serait à mon avis beaucoup plus intéressant de comprendre pourquoi malgré tous les efforts mis la population majoritairement ne s’inscrit pas dans les lieux imaginés pour favoriser la rencontre ? Cela signifie que beaucoup de personnes ne s’approprient pas ces espaces communautaires à l’inverse des bancs publics sur lesquels on s’assied peut-être facilement parce que s’asseoir et propre à chacun sans qu’on doivent justifier de cette activité, sans qu’on ait l’obligation de dire quelque chose de soi, c’est pour cela peut-être que les bancs sont nombreux.
Peut-être qu’en s’interrogeant pour une fois non pas sur le commun mais sur la marge, on pourrait être surpris de ce que la marge tente de nous montrer.
Beau succès pour votre projet

Renate Albrecher vor 8 Monaten

Vielen Dank! Diese Idee zielt genau auf Orte, an die man sich eigentlich wegen eines anderen Grundes begibt, als dem des Treffens mit anderen Menschen. Die Dechetterie fällt z.B., in diese Kategorie. (ein halb-öffentlicher Ort), der Spielplatz als anderes Beispiel (öffentlich), Fitness (halb-privat).
Zentren die genau auf das Treffen von Menschen zielen und Beschäftigung als Nebenprodukt anbieten, funktionieren oft schlechter, als die informellen sozialen Treffpunkte. Das ist eine sehr gute Beobachtung.
Warum? Weil die anderen unverbindlicher sind? Weil ich damit nicht mich oute als "Kontaktsuchend"? Weil ich gehen und kommen kann mit einem neutralen Vorwand, ohne jemand zu verletzen, ohne aussitzen zu müssen.

Worum es mir geht: Was können wir aus dieser Analyse lernen in bezug auf die Promotion von Kulturerbestätten, in deren Gestaltung und Oeffnung für die Bevölkerung. Sie leiden darunter, dass sie immer nur die gleichen Menschen anziehen. Dies würde helfen herauszufinden, wie sie integrativer Bestandteil einer lebendigen Kultur zu werden können.

Hans-Peter Bruder vor 8 Monaten

Ich glaube dein Bild passt hervorragend zu Deiner Idee. Für viele Mütter/Väter/Grossmütter/Grossväter die mit ihren Kinder/Enkelkinder sich in der freien Natur aufhalten ist ein Spielplatz eine wunderbare Gelegenheit um soziale Kontakte zu Pflegen!

Renate Albrecher vor 8 Monaten

Vielen Dank, Hans-Peter! Spielplätze gehören zu den Orten als Treffpunkt, die neu entstanden sind, nachdem Milchhüsle und Brunnen ihre Bedeutung verloren haben.

Renate Albrecher vor 8 Monaten

Beispiele sind oft ganz überraschender Art:
- Wartesäle von Aerzten geben älteren Menschen oft die Gelegenheit, Menschen zu treffen, die sie sonst nicht treffen. Für manche oft der einzige Kontakt. (Beobachtung von ausserhalb der Schweiz!) (halb-privat)
- vor der Schule beim Hinbringen/Abholen der Kinder (halb-öffentlich)
- das Geschäft im Ort / das Einkaufszentrum /das café /der Eissalon/ ...(halb-privat)
- der Spielplatz (öffentlich)
- das Bänkli neben dem Spazierweg (öffentlich)
- das Wandern (öffentlich)
- der Aussichtsplatz (öffentlich)
- die Dechetterie (halb-öffentlich)
- der Vereinsmitgliedschaft (halb-privat)
etc.

Erika Bruder vor 8 Monaten

Der Gemüse/Käse/Brotstand der jede Woche auf dem Dorfplatz aufgestellt wird.Dort werden gute Regionale Produkte verkauft. Dabei trifft man die Leute und kann sogar bei einem Marktplatz-Bänkli gute Gespräche führen!

Renate Albrecher vor 8 Monaten

Ja, Markt und Marktstände, das sind auch wunderbare Beispiele! Dort tut sich mehr, als nur der Austausch von Ware und Geld!

Gibt es in der Deutsch-Schweiz eigentlich auch diese Lotto-Veranstaltungen? Das wäre im Prinzip auch ein solcher Ort/Moment. Nur habe ich vor kurzem festgestellt, dass da wenig Zeit bleibt zum sozialen Austausch - auch wenn starke Emotionen in der Gruppe ausgelebt und offen geteilt werden :-)

Frank Calberg vor 8 Monaten

Als ich die interessante Idee gelesen habe, kam mir spontan Supermärkte - und die Plätze vor dem Supermarkt - in den Sinn. Das sind Orte, wo mehr oder weniger Alle ziemlich regelmässig kommen. Und ich könnte mir vorstellen, dass das Design eines Supermarktes in dieser Verbindung eine Rolle spielt.

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Renate Albrecher vor 8 Monaten

Vielen Dank!
Stimmt, das Einkaufen ist eine "Wegware", wie man bei uns sagt -
also ein offizieller Grund, sich wohin zu geben. Der Ort selbst aber wird indirekt zum unverbindlichen sozialen Treffpunkt, wenn Lage und Positionierung des Supermarkts/Geschäftes stimmen!


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Mara Knorr vor 8 Monaten

Schöne Idee - wenn gleich die Orte, das Ergebnis selbst nicht unbedingt Kulturerbe sind. Aber die daraus gezogenen Erkenntnisse können sehr hilfreich sein, damit Kulturerbe zu den Orten kommen kann, wo grad Kulturerbe gemacht wird.

Renate Albrecher vor 8 Monaten

Genau - in diesem Sinne verstehen wir einen Teil des Projektes! Danke!

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